Das sozialistische Modell Venezuelas implodiert, François Hollandes Sozialisten werden an der Urne hart abgestraft, und bei mir werden Erinnerungen wach. Erinnerungen an ein Podium des «Tages-Anzeigers» zur Zukunft der SP, auf dem ich vor vier Jahren sass. Mehr als meine eigene beeindruckte mich damals die Performance von Jacqueline Fehr und ganz besonders von Cédric Wermuth.

Dem Piloten der südkoreanischen Boeing 747 mit der Flugnummer 007 unterlief auf dem Flug von Anchorage nach Seoul ein fataler Navigationsfehler. Er drang ohne es zu merken über Sachalin in den gesperrten russischen Luftraum ein. In der Annahme, es handle sich um einen Spionageangriff, schossen sowjetische Abfangjäger den Jumbo mit 269 Passagieren an Bord ab.

Der Herr am Nebentisch fällt ein vernichtendes Urteil: «Im Bundesrat sitzen nur Taugenichtse, die bei der schwächsten Brise aus dem Ausland umkippen.» Wenn ich dieses Lied höre, male ich mir jeweils aus, wie es wäre, wenn die Besserwisser durch Zauberhand auf einmal selber in der Regierung sässen. Nie habe ich mir allerdings ausgemalt, es könnte tatsächlich so weit kommen. Mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative ist genau das passiert.

Es gibt Abstimmungen, die nicht nur über Sein oder Nichtsein einzelner Verfassungs- und Gesetzesartikel bestimmen, sondern die Kraft haben, die innenpolitische Dynamik zu verändern. Die bevorstehende Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative ist so eine. Ob Ja oder Nein, ob Annahme oder Ablehnung: Ihre Wirkung wird die Vorlage viel stärker auf psychologischer als auf sachpolitischer Ebene entfalten – und zwar in beiden Fällen.

Vor der Finanzkrise 2008 wollten die Experten nichts von Absturz wissen, nachher wurden viele zu Apokalyptikern. Was, wenn die Apokalypse ausbleibt?